Wendeschneidplatten: Arten, ISO-Bezeichnung und Auswahl

Wendeschneidplatten sind auswechselbare Schneiden für Dreh-, Fräs- und Bohrwerkzeuge. Dieser Ratgeber erklärt, wie Wendeplatten aufgebaut sind, was hinter Bezeichnungen wie CNMG 120408 steckt und wie Sie die passende Platte für Werkstoff und Bearbeitung auswählen.

Was ist eine Wendeschneidplatte?

Eine Wendeschneidplatte (kurz: Wendeplatte, englisch "indexable insert") ist ein genormter Schneidkörper, der in einen Werkzeughalter geschraubt oder geklemmt wird. Ist eine Schneidkante verschlissen, wird die Platte gewendet bzw. gedreht und die nächste Kante genutzt – je nach Form stehen 2 bis 8 Schneidkanten zur Verfügung. Erst wenn alle Kanten verbraucht sind, wird die Platte ersetzt. Das macht Wendeschneidplatten deutlich wirtschaftlicher als nachschleifbare Werkzeuge: kein Schleifaufwand, kein Maschinenstillstand beim Nachschleifen und stets reproduzierbare Schneidengeometrie.

Der Grundkörper besteht in der Regel aus Hartmetall (Wolframkarbid in Kobalt-Bindung); für Sonderanwendungen kommen Cermet, Schneidkeramik, kubisches Bornitrid (CBN) oder polykristalliner Diamant (PKD) zum Einsatz. Eine wenige Mikrometer dünne Beschichtung erhöht Standzeit und erlaubt höhere Schnittwerte.

Die ISO-Bezeichnung verstehen: CNMG 120408 als Beispiel

Form und Abmessungen jeder Wendeschneidplatte sind nach ISO 1832 verschlüsselt. Am Beispiel CNMG 120408:

  • C – Plattenform: C steht für einen Rhombus mit 80° Eckwinkel. Weitere gängige Formen: D (Rhombus 55°), W (Trigon), T (Dreieck), S (Quadrat), R (rund), V (Rhombus 35°).
  • N – Freiwinkel: N = 0° (negative Platte, beidseitig nutzbar). C = 7°, P = 11° kennzeichnen positive Platten.
  • M – Toleranzklasse für Eckenmaß und Dicke.
  • G – Ausführung: Spanleitstufen beidseitig mit Befestigungsbohrung.
  • 12 – Schneidkantenlänge in mm.
  • 04 – Plattendicke (04 entspricht 4,76 mm).
  • 08 – Eckenradius in Zehntelmillimetern (08 = 0,8 mm).

Nach dem ISO-Code folgen meist herstellerspezifische Angaben zu Spanbrecher und Schneidstoffsorte, z. B. CNMG 120408-PM 4325 bei Sandvik Coromant: PM ist der Spanbrecher für mittlere Stahlbearbeitung, 4325 die beschichtete Hartmetallsorte.

Arten von Wendeschneidplatten nach Bearbeitung

Zum Drehen

Drehplatten sind die größte Gruppe. Negative, doppelseitige Formen wie CNMG, WNMG, DNMG und TNMG dominieren die Außenbearbeitung; positive Platten wie CCMT oder DCMT die Innenbearbeitung. Zur Auswahl: Wendeschneidplatten zum Drehen.

Zum Fräsen

Fräsplatten arbeiten im unterbrochenen Schnitt und benötigen zähe Sorten. Gängige Formen: APKT/APMT für 90°-Eckfräser, SEKT für 45°-Planfräser, RDKT für Rund- und Kopierfräser. Zur Auswahl: Wendeschneidplatten zum Fräsen.

Zum Bohren

Wendeplattenbohrer kombinieren eine zähe Zentrumsplatte mit einer verschleißfesten Peripherieplatte, übliche Formen sind WCMX und SPGX. Zur Auswahl: Wendeschneidplatten zum Bohren.

Zum Gewindedrehen

Gewindeplatten wie 16ER (außen) und 16IR (innen) gibt es als Voll- und Teilprofil für alle gängigen Gewindenormen. Zur Auswahl: Wendeschneidplatten zum Gewindedrehen.

Zum Ein- und Abstechen

Stechplatten sitzen in speziellen Klingen- oder Blocksystemen und werden nach Stechbreite ausgewählt. Zur Auswahl: Schneidsysteme zum Ein- und Abstechen.

Werkstoffgruppen nach ISO: Welche Platte für welches Material?

Schneidstoffsorten werden nach ISO 513 den Werkstoffgruppen zugeordnet – jede Gruppe hat eine Kennfarbe:

  • P (blau) – Stahl: der größte Anwendungsbereich, meist CVD-beschichtete Sorten.
  • M (gelb) – rostfreier Stahl: zähe, PVD-beschichtete Sorten mit scharfer Geometrie.
  • K (rot) – Gusseisen: verschleißfeste Sorten für abrasive Bearbeitung.
  • N (grün) – Aluminium und NE-Metalle: unbeschichtete, polierte oder PKD-Sorten.
  • S (braun) – Superlegierungen und Titan: hitzebeständige, zähe Sorten.
  • H (grau) – gehärtete Werkstoffe: CBN- und Keramiksorten für die Hartbearbeitung.

Auswahl in 4 Schritten

  1. Bearbeitung festlegen: Drehen, Fräsen, Bohren, Gewinde oder Stechen – daraus ergibt sich die Plattenfamilie und der passende Halter.
  2. Werkstoff zuordnen: ISO-Gruppe (P/M/K/N/S/H) bestimmt die Schneidstoffsorte und Beschichtung.
  3. Operation wählen: Schruppen, mittlere Bearbeitung oder Schlichten entscheidet über Spanbrecher und Eckenradius.
  4. Größe und Form prüfen: Die Platte muss exakt zum Plattensitz des Halters passen – Form, Größe, Dicke und Befestigung sind durch den Halter vorgegeben.

Unsicher bei der Auswahl? Wir beraten Sie gerne persönlich – Kontakt aufnehmen.

Führende Hersteller im Überblick

Sandvik Coromant gilt als Technologieführer mit dem breitesten Programm, Iscar ist stark bei Stech- und Fräslösungen, Seco und Walter bieten ausgewogene Programme für die Serienfertigung, Kyocera überzeugt bei Cermet- und Keramiksorten und Korloy bietet ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Viele Originalplatten dieser Marken finden Sie in unseren Sonderangeboten bis zu 70 % unter UVP.

Häufige Fragen zu Wendeschneidplatten

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